Ein Kunstwerk ist oftmals für den Betrachter ein vollendetes Werk, bei dem allein der Künstler über die Veränderungen bestimmen kann. Nur der Künstler kann entscheiden, ein Bild auszustellen, es zu vernichten, anderes nach Jahren wieder zu bearbeiten oder seine Werke dem Publikum als „Spielzeug“ anbieten.

Die Menschen kommen zu einer Ausstellung, um das von einer Person Geschaffene auf sich wirken zu lassen, mit dem Künstler zu lachen und zu weinen, Nachdenklich zu werden und in eine schöne Stimmung mit den Bildern zu gelangen. Das geschieht schon durch die alleinige Betrachtung der Bilder, denen der Künstler die Stimmung und die Gefühle gegeben hat.

Was können wir dem Publikum über passives Zuschauen hinaus anbieten, um es in das künstlerische Schaffen zu integrieren? Die Antwort ist einfach. Die BesucherInnen der Ausstellung müssen einen eigenen Beitrag zum Kunstwerk der Künstlerin leisten können. Während der Ausstellung dürfen alle Besucher die Kunstwerke nicht nur anfassen, sondern von der Wand herunternehmen und nach Gefühl und eigener Kreativität verändern. Schluß mit der Kälte der Museen, in denen man nicht einmal näher treten darf. Die BetrachterInnen werden für die Zeit ihres Aufenthalts im Ausstellungsraum zum mitschaffenden Künstler. Versuchen Sie sich an das Gefühl der Zerstörung, Forschung und Veränderung in der Kindheit zu erinnern – da ist jeder ein Künstler und sogar die Grütze auf dem Teller ist ein malerisches Bild mit einer Gabel anstelle des Pinsels.

In dem geplanten Projekt brauchen die Besucher ebenfalls keine Farben zu verwenden. Die Bilder bestehen aus einer unbestimmter Anzahl von kleinen gleichschenkligen Dreiecken, Quadrate oder anderen beliebigen Formen, die mit Hilfe von Magneten auf einer Metallfläche beweglich sind. So können mehrere Varianten eines Bildes entstehen, das sich in einem ständigen Wandel befindet, verursacht durch die Künstlerin oder den Betrachter. Die unterschiedlichen Farbigkeiten der kleinen Tafeln bieten die Möglichkeit die Stimmung eines Bildes immer wieder neu zu gestalten.

Es werden bestimmt gewisse Verbindungsfäden entstehen zwischen den BesucherInnen und dem Bild, auf den Wellen von Gefühlen, Gedanken und Faszination. Und zu alledem, zu dieser Faszination, haben Sie selber auch Ihre Überlegungen und ein Stück sich Selbst beigetragen. Und es wird mit Sicherheit zwischen den BesucherInnen Diskussionen über die vor ihren Augen und durch ihr Schaffen entstehenden Werke geben. Diese Diskussionen werden schon den Erfolg der Ausstellung bedeuten, denn damit erreichen wir eine Annäherung des Publikums an den Begriff Kunst als Prozess und nicht nur als vollendetes Objekt.

So kann ein kinderleichtes Spiel erwachsene Menschen zu seit der Kindheit vergessener Freude am forschen und schaffen führen. In dem heutigem Leben zwischen dem Stress und den Problemen schenken wir dem Publikum einen Moment Entspannung und stressloser Stimmung.

Das skizzierte Konzept der Ausstellung ist ein Versuch, die herkömmlichen Betrachtungsweisen der Kunst zu durchbrechen und stellt auf diesem neuartigen Terrain auch für mich als Künstlerin eine Herausforderung dar.